Herstellung von Echthaarperücken

Die Haare der heute hergestellten Echthaarperücken stammen zumeist aus Indien. Auch wenn viele glauben, dass dies in erster Linie daran liegt, weil asiatisches Haar preiswerter ist als europäisches, ist das nur die halbe Wahrheit. Zur Herstellung hochwertiger Echthaarperücken darf nämlich nur Haar verwendet werden, welches noch nie chemisch behandelt wurde: so genanntes Virginhaar.

Echthaar aus Indien

Vorangegangene Dauerwellen oder Färbungen machen Haar unbrauchbar für die Perückenherstellung. Leider findet man in Europa kaum noch naturbelassenes, unbehandeltes Haar. Welche Frau in unseren Breiten hat denn auch noch nie eine Dauerwelle gehabt oder Bekanntschaft mit aggressiven Färbemitteln wie Wasserstoffperoxyd gemacht? Aus diesem Grunde ist europäisches Haar bei Echthaarperücken eine Seltenheit und zudem sehr teuer.

Im Gegensatz zu den meisten Europäerinnen gehen Inderinnen unterdessen weitaus pfleglicher mit ihrem Haar um. Es ist ein Gerücht, dass sie ihr Haar aus der Not heraus verkaufen. Vielmehr wird der indischen Braut im Rahmen der Hochzeitszeremonie ihr Haar in einem Zopf abgeschnitten. Der Erlös kommt zumeist dem Tempel zugute.

Das indische Tempelhaar weist mit europäischen Haar aufgrund genetischer Verwandtschaft eine hohe Ähnlichkeit in der Haarstruktur auf. Da es von Natur aus jedoch schwarz oder braun ist, muss es zur Gewinnung hellerer Töne zunächst verarbeitet werden. Zunächst wird das abgeschnittene Haar gereinigt. Dann erfolgt eine Sortierung nach Länge und Qualität sowie eine Weiterverarbeitung je nach gewünschtem Ergebnis, wie beispielsweise die Färbung, Krausung oder Streckung.

In vielen Fällen wird auch die natürliche äußere Schuppenschicht des Echthaars in einem Säurebad entfernt. Dies geschieht vor allem aus zwei Gründen: Zum einen, um einem späteren Verfilzen vorzubeugen, zum anderen, insbesondere bei Haar aus China, um das etwas dickere asiatische Haar zu verdünnen und europäischen Standards in Sachen Frisier- und Formbarkeit anzupassen. Um einem solcherart behandelten Haar seine Robustheit und seinen Glanz – denn schließlich reflektiert die geschlossene Schuppenschicht das Licht – zurückzugeben, wird es mit einer Silikonschicht überzogen.
Bei sogenanntem Remy- (auch: Remi-) Haar hingegen handelt es sich um Echthaar, bei dem die natürliche Schuppenschicht komplett erhalten ist. Um ein Verfilzen zu verhindern, muss hier Haar für Haar manuell nach Wuchsrichtung sortiert werden. Ansonsten könnte sich die nach oben weisende mit der nach unten weisenden Schuppenschicht verhaken. Der Sortierprozess ist aufwändig, mühsam und langwierig und kann nicht maschinell erfolgen. Auch aus diesem Grund ist Remy-Haar besonders exklusiv und auch hochpreisig. Die überragende Qualität macht den hohen Kostenfaktor jedoch mehr als wett. Haarexperten bevorzugen Remy-Haar als Ausgangsmaterial für Echthaarperücken.

Der richtige Ton wird erreicht, indem verschiedene Nuancen miteinander meliert werden. Dabei werden die unterschiedlich-farbigen Ausgangssträhnen so oft miteinander verkämmt, bis der Wunschton erzielt ist.

Die künstliche Kopfhaut

Nachdem nun also das Haar vorbereitet ist, formt der Perückenmacher die künstliche Kopfhaut, die sogenannte Montur. Bei hochwertigen Perücken kommt Monofilament zum Einsatz, ein tüllstoffartiger Netzeinsatz. Auf diese extrem feine Basis wird nun das Haar einzeln mit einer Knüpfnadel geknüpft (also jeweils einmal durch den Tüllstoff gezogen und verknotet), beginnend am Nacken, von wo aus sich der Perückenmacher zum Stirnansatz vorarbeitet. Dieses aufwändige Handwerk beherrschen hierzulande nur noch wenige Perückenmacher. An einem einzigen Exemplar knüpft ein Perückenmacher bis zu drei Wochen. Ca. 80.000 bis 100.000 Stiche werden benötigt – einer pro Haar. Das Haar tritt aus der Netzmontur wie das Eigenhaar senkrecht heraus. Dies garantiert eine naturnahe Optik: Selbst ein nahestehender Betrachter glaubt, die Naturkopfhaut des Perückenträgers zu sehen. Zudem können Perücken mit einzeln geknüpften Haaren nach Belieben frisiert, der Scheitel mal rechts, mal links getragen werden – ganz so wie beim Eigenhaar.

Manchmal werden auch Folienmonturen verwendet, oder Folienmonturen werden mit Netzmonturen kombiniert – je nachdem, welchen Zweck die Perücke erfüllen soll. So beispielsweise haben sich Perücken, die auf Netzmonturen geknüpft sind, als optimale Lösung für nachwachsendes Naturhaar erwiesen, beispielsweise bei Patienten nach einer Strahlentherapie. Um bei totaler Kahlköpfigkeit eine optimale Frisur zu gewährleisten, bieten sich wiederum die Kombi-Monturen an.

Maschinell hergestellte Perücken

Eine preisgünstige Variante sind maschinell hergestellte Perücken. Hier nähen Maschinen das Haar auf feinste Tüllbänder, die sogenannten Tressen. Allerdings wirkt das Haar hierbei gerade am Haaransatz oftmals unnatürlich voll. Um die Vorteile beider Methoden, also Naturnähe und einen günstigen Preis, zu vereinen, setzt man heutzutage oftmals auch auf die Kombination aus Monofilament und Tressen. Viele renommierte Hersteller setzen vermehrt auf diese sogenannte Teil-Mono-Methode. Gerade für all jene, die aus medizinischen Gründen eine Perücke benötigen, ist solch eine Teil-Mono-Perücke eine recht kostengünstige Lösung.

Zum Frisieren der fertig geknüpften Perücke dienen sogenannte Perückenköpfe. Auf diese Büsten wird der Perücken-Rohling gezogen, gekämmt und mit dem gewünschten Haarschnitt versehen. Später kann eine Echthaarperücke immer weiter auf Kundenwunsch angepasst und zugeschnitten werden, ganz wie das Naturhaar.

Individuelle Perücken

Sehr teure Perücken werden individuell angepasst. Bei der Luxusvariante wird vom Kopf des Perückenträgers ein Folienabdruck genommen, anhand dessen die Montur hergestellt wird. Für den Alltagsgebrauch ist diese Methode jedoch kaum bezahlbar. Zur allgemeineren Maßanfertigung von Perücken dienen sogenannte Perückenköpfe. Deren Größen bemessen sich in Hutgrößen.
Heutige Perücken werden zumeist in Standardgrößen hergestellt. Für besonders kleine bzw. besonders große Köpfe gibt es Sondergrößen. Auch finden sich größenverstellbare Perücken auf dem Markt, die sich mit Verschlüssen ähnlich einem Mieder individuell justieren lassen.

Bildquelle: aboutpixel.de / Taj Mahal © Marco Jakob

Author: Christian

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1 Kommentar

  1. Ich würde sehr gerne lernen wie man Perücken herstellt, hätten sie einen Tipp für mich, wer mich in Österreich dieser Kunst näher bringen könnte?

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