Die ehemalige Perückensteuer

Die Geschichte der Perücke geht bis ins Altertum zurück. Selbst die alten Ägypter, Griechen und Römer waren leidenschaftliche Perückenträger. Nicht nur die Herren der Schöpfung versteckten Haarausfall oder die ersten lichten Stellen ihrer Haarpracht mit einer Perücke, auch in der Damenwelt waren die Kunsthaarschöpfungen sehr beliebt.

Im Mittelalter hatte die Perücke ihre große Blütezeit. Sie entwickelte sich nicht nur zu einem Mode-Accessoire der ganz besonderen Art, sondern war auch ein Zeichen von Wohlstand und adeliger Herkunft. An den Höfen der europäischen Königshäuser gehörten sie bereits zur alltäglichen höfischen Kleidung und entwickelten sich zum Standessymbol. Bereits im 17. Jahrhundert entdeckte Ludwig IV seine Leidenschaft für die Allonge – Perücke, die sich durch eine wallende Lockenpracht, die meist bis zur Brust reichte, auszeichnete. Der mondäne Sonnenkönig ernannte sie 1673 zur Staatsperücke. Für die Herstellung wurde je nach dem Geldbeutel des Käufers, Menschen- oder Tierhaar verwendet.

Sie war in verschiedenen Farben erhältlich und wurde vorwiegend von Männern getragen. Die Damenwelt hingegen orientierte sich in der Haarmode jedoch an der Herzogin von Fontanges, die nach einem kleinen Missgeschick während der Jagd in Sachen Frisur, ihre Haarpracht mit einem Band auf dem Kopf befestigte. So entstand die Fontange. Die Herzogin war die Maitresse Ludwigs IV, dem diese Art der Haarfrisur besonders gut gefiel. Diese neue Trendfrisur verbreitete sich wie ein Lauffeuer bei den Damen der Gesellschaft und erfreute sich großer Beliebtheit, die bis Anfang des 18. Jahrhunderts anhielt. Zu diesem Zeitpunkt kamen auch die bekannten weiß gepuderten Perücken immer mehr zum Einsatz. Sie wurden vorwiegend aus Pferde- oder Ziegenhaaren angefertigt und mit Mehl bestäubt. Diese Methode war jedoch ausschließlich adeligen Personen erlaubt. Menschen niederen Standes, wie z.B. Handwerker oder Bauern trugen keine Perücken, Händlern und Soldaten war lediglich die Kurzversion dieser künstlichen Haarpracht zugängig. Das Tragen von Perücken fand mit der französischen Revolution sein Ende.

In Preußen wurde im Jahr 1698 eine Perückensteuer erhoben. Damit versuchte man die preußische Staatskasse zu füllen und entstandene Defizite auszugleichen. Auch damals erfreuten sich steuerliche Abgaben, die für die unterschiedlichsten Gegebenheiten zu zahlen waren, gerade bei den Staatsmännern dieser Zeit großer Beliebtheit. Neben der Jungfernsteuer, die unverheiratete Mädchen und Frauen zu zahlen hatten, entsprang diese Idee dem Reichgrafen Johann Kasimir Kolbe von Wartenburg, der als preußischer Premierminister so manche kuriose Steuerabgabe ins Leben rief. Seiner Kreativität entsprangen nicht nur die Perücken – und Jungfernsteuer, auch für den Genuss von Tee, Kaffee und Kakao musste sich der preußische Bürger zunächst einen Erlaubnisschein zulegen, der ein Jahr gültig und mit einer Gebühr von 2 Talern erhältlich war. Im Jahr 1717 erkannte man jedoch die Sinnlosigkeit der Perückensteuer und schafft sie wieder ab.

Bildquelle: aboutpixel.de / Groschen 3 © Bernd Boscolo

Author: Christian

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